Hebammenhilfvertrag - SPD Kreistagsfraktion schlägt Alarm

Veröffentlicht am 21.07.2025 in Kreistagsfraktion

Der neue Hebammenhilfevertrag, der zum 1. November in Kraft treten soll, stößt auf heftige Kritik der SPD-Kreistagsfraktion. In einem Schiedsstellenverfahren wurde dieser nach siebenjährigen, ergebnislosen Verhandlungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und den Hebammenverbänden beschlossen. Die anhaltenden Hebammenproteste verdeutlichen aber, wie umstritten diese Neuregelung der Hebammenvergütung ist. 
Auf Einladung des SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Stefan Großhauser informierten Julia Pflaum, Nicole Stagat und Barbara Schrafl, stellvertretend für das Team aus 17 Beleghebammen am Klinikum Neumarkt, wie massiv dieser neue Vertrag die Versorgungssicherheit der Frauen mit wohnortnaher Geburtshilfe bedroht. 
 

 

Bislang begleitet die Hebammengemeinschaft Villa Kugelrund am Klinikum Neumarkt jährlich knapp 900 Geburten unter besten Bedingungen und in vertrauensvoller und professioneller Zusammenarbeit mit dem Klinikum Neumarkt.
Die qualitativ hochwertige 1:1- Betreuung der Gebärenden durch die Hebamme kann in über 35% der Fälle schon heute vor Ort umgesetzt werden. Das ist unter anderem einer der großen Vorteile, die das Dienstbeleghebammensystem mit sich bringt.
Im Vergleich dazu gelingt das an Häusern mit angestellten Hebammen nur für 2% der betreuten Frauen. (Quelle:  Gutachten des IGES-Instituts zur stationären Hebammenversorgung im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit von 2019)
Nun erklärte aber der GKV-SV am 12.05.2025 die 1:1-Betreuung durch den neuen Hebammenhilfevertrag und den darin enthaltenen 1:1- Bonus finanziell aufwerten zu wollen, um dadurch angeblich die Versorgung der Gebärenden und auch die Arbeitsbedingungen von Beleghebammen zu verbessern.
Gleichzeitig fragen sich die Hebammen Pflaum, Stagat und Schrafl aber, wie das gelingen soll, wenn Dienstbeleghebammen ab dem 1.11.25- ebenfalls in diesem Vergütungsvertrag geregelt- nur noch 80 % des geplanten Stundenlohns im Vergleich zur außerklinisch tätigen Hebamme erhalten sollen. 
Für die gleichzeitige Betreuung einer zweiten und oder dritten Schwangeren, was im Klinikalltag oft notwendig ist, da Geburten aber auch abzuklärende Notfälle nun einmal nicht planbar sind, werden nur noch 30% des bereits gekürzten Stundenlohns vergütet werden, trotz voller Verantwortung! Abrechnungspositionen wie z.B. Blutentnahme, CTG und U1 werden sogar ganz gestrichen und Nacht- und Wochenendzuschläge sollen von 20% auf 17% gekürzt werden. Zudem bleibt die Bereitschaftszeit der Rufdiensthebamme, die unerlässlich für die geforderte 1:1-Betreuung ist, unbezahlt! 
Wenn der Kreißsaal leer ist, verdienen die beiden, diensthabenden Hebammen nichts.
Alles in allem drohen massive Einkommensverluste von bis zu 30 % für freiberuflich tätige Dienstbeleghebammen. Diese Fachfrauen leisten jedoch 80 % der klinischen Geburtshilfe in Bayern.
Für 100% Arbeit und Verantwortung zukünftig deutlich schlechter vergütet zu werden ist ein Skandal und etwas noch nie Dagewesenes! Das bedroht berufliche Existenzen. Die vermeintliche Lösung, ein Wechsel ins Angestelltenverhältnis, bedroht dagegen zukünftig geburtshilfliche Standorte von unter 1000 Geburten im Jahr, wenn das bislang ungedeckelte Pflegebudget in zwei Jahren ausläuft!
 „Einsparungen werden wieder auf Kosten der Frauen und der Gesundheit der Neugeborenen ausgetragen“, so Kreisrätin Erna Spät. „Qualifizierte Geburtenhilfe ist Gesundheitsprävention in ihrer besten Form von Anfang an“, ergänzte der stv. Landrat Dirk Lippmann. Er und Klinikum-Verwaltungsrat Helmut Himmler versprachen, das Thema demnächst im Verwaltungsrat des Klinikums einzubringen und politischen Druck dahingehend zu verstärken, dass der neue Hebammenhilfevertrag gestoppt und dann zumindest überarbeitet wird. „Der ganze Gesundheitsbereich und mit ihm die Geburtshilfe“, so fasste Kreisrat Norbert Nießlbeck zusammen, „darf nicht dem Gewinnstreben der GKVs allein überlassen werden. Ziel muss die bestmögliche, wohnortnahe medizinische Versorgung bleiben!“

 

Für Freystadt.

Für Euch.

501: Anna Keßler

502: Stefan Großhauser

503: Marina Pfaller

504: André Oettel

505: Birgit Reinhard

506: Florian Hilpert

507: Petra Logé

508: Josef Brandl

509: Ute Brandl

510: Melanie Pirner 

511: Stefan Flachhuber

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